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Warum Dänemark zu den glücklichsten Nationen zählt

Liebescode: Die Liebesfähigkeit der Kultur gestaltet die Funktionsweise des Gehirns zu Empathie

Warum die Dänen schon seit 1993 das Schulfach Empathie unterrichten.

Davon, dass das so ist, konnte ich mich während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Kopenhagen überzeugen. Am Anfang war ich der Sprache noch nicht mächtig - aber nie hatte ich das Gefühl, als eine der vielen Ausländerinnen ungern gesehen zu sein. Ich war dort mit meiner Familie von 1991 bis 1993 und meine jüngsre Tochter wurde in Kopenhagen geboren. In einem ganz normalen Krankenheus, unter solchen guten Bedingungen, mit ausreichendem Personal, persönlicher liebevoller Betreuung, wie ich es mir nicht besser wünschen konnte. Die Räumlichkeiten in warmen Farben, selbstverständlich mit einem Einzelzimmer für meinen Mann und mich, mit der nötigen Intimität, ohne dass wir uns alleingelassen gefühlt hätten.

 

Dieser warmherzige und liebevolle Umgang miteinander setzte sich selbstverständlich so fort, sei es im Kindergarten meiner älteren Tochter, auf Behörden, bei der Arbeitssuche und später dann als Wissenschaftlerin bei der Arbeit mit den Kollegen.

 

Nie wieder davor und danach habe ich mich so selbstverständlich willkommen gefühlt, habe so viel Vertrauen in mich erlebt, so viel Respekt und Wertschätzung, so viel Empathie. Wie viel das war und wie sehr mich das geprägt hat, habe ich erst nach meiner Rückkehr nach Deutschalnd richtig erfahren, als ich mich kaum an den distanzierten, unempathischen Umgang miteinander gewöhnen konnte. Noch stärker haben meine Kinder das gespürt. Sie waren lange Zeit wirklich unglücklich und haben mich oft gefragt: "Mama; warum sehen die mich so streng an. Mama, warum lachen die nicht und reden nicht mit mir?" Es war schwer, mich wieder daran zu gewöhnen, dass die Menschen auf der Strasse einfach durch mich hindurchsehen, statt zu lächeln oder in Kontakt zu gehen, dass sie sich an getrennte Tische setzen...

 

Damals habe ich in wenigen Jahren 3 verschiedene Kulturen erlebt, die DDR, Dänemark und die Bundesrepublik. Jede war anders und ich begann mich erstmals dafür zu interessieren, wie die Kultur unser Verhalten bestimmt und wie tief diese Prägung das Gehirn in seiner Funktionsweise bestimmt. Seitdem begleitet mich dieses Thema und hat auch dazu geführt, dass mein Berufsweg aus der Wissenschaft in die Pädagogik führte. So weit, dass ich Buchautor wurde, um zu zeigen, wie eine Kultur die Empathie- und Liebes-, ja sogar die Glücksfähigkeit der Menschen befördern kann.

 

Dänemark zählt, wie der Artikel zeigt zweifellos zu den Ländern, in denen das am besten gelingt! Gemäß dem weltweiten UN-World-Happiness-Report belegt Dänemark seit Jahren einen der ersten drei Plätze. Der Artikel beschreibt sehr treffend meine Erlebnisse: gute warmherzige verständnisvolle Beziehungen und Famile sind die obersten Werte der Kultur. Typisch dafür und inzwischen kopiert (ohne den emotionalen Inhalt) ist der Begriff "hygge", den ich sehr gut kennenlernen konnte.  -  Unser Aufenthalt begann im Oktober, einer Zeit, wo es sehr viel zu regnen beginnt, lange Zeit des Tages dunkel und unfreundlich draußen ist. Dem setzen die Dänen bewusst hygge entgegen, wie ich sehr schnell im Kindergarten meiner Tochter, bei Freunden und später auf der Arbeit bemerkte. Entscheidend ist: es geht nicht nur um Kerzen, sondern um eine bewusst hergestellte Nähe und Intimität zwischen den Menschen als Gegenstück zur oftmals unfreundlichen Natur.

 

Des weiteren führt der Artikel das zentrale kulturelle Bildungsziel aus: Kooperation statt Konkurrenz. Auch das habe ich erleben und genießen können und kann heute einschätzen, dass auch wir als Kultur in Deutschalnd nur zukunfstfähig sind, wenn wir dazu übergehen.

 

Das alles hat mich zu meinem Buch geführt, wie auch zu pädagogischer Weiterbildungstätigkeit.